Zwischen „No Future“ und Langeweile

Punk und der Wandel moderner Ordnungsvorstellungen in Großbritannien und der Bundesrepublik

Punk ist ein Symptom der Transformation der westlichen Industriegesellschaften in den Jahrzehnten nach dem Boom. Durch einen Blick auf die Ränder der Gesellschaft soll die Metamorphose erfasst werden, die sich in ihrem Zentrum ereignete. Getragen ist das Projekt von der Annahme, dass seit den siebziger Jahren zentrale Ordnungsvorstellungen, die dem liberalen Entwurf der Moderne zugrunde lagen, einem Wandel unterzogen wurden, der im Punk objektiviert wurde.

Punk wird zum Einen als Projektionsfläche betrachtet. Auf ihr spiegeln sich die Deutungen des stattfindenden Umbruchs und die „Krisenwahrnehmung“ der Mehrheitsgesellschaft wider. Während beispielsweise die „kulturellen Marxisten“ des Birminghamer CCCS im Punk ein neu-altes revolutionäres Subjekt sahen, das die Widersprüche des aufziehenden Thatcherismus in seinem Stil entäußerte, deuteten die Massenmedien Punk als Objektivierung der sich breit machenden Jugendarbeitslosigkeit, Orientierungslosigkeit und Zukunftsangst.

Punk wird zum Anderen als Avantgarde am Ende des Zeitalters der Avantgarden untersucht. Diese Vorreiterschaft betraf keineswegs allein die von der Subkultur vorangetriebenen ästhetischen Innovationen. Punk war vielmehr ein Vorbote der Etablierung neuer gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen, einer gewandelten Konsumpraxis sowie des Endes der „Kolonisierung der Zukunft“, welche das Ethos der Moderne geprägt hatte.