Die erste DFG-Leibniz-Forschergruppe „Nach dem Boom“ führt die Arbeiten des gleichnamigen Forschungsverbundes der Universitäten Tübingen und Trier weiter. Ziel ist es, das gemeinsame Arbeitsprogramm dieses Verbundes zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen und die Ergebnisse in die internationale Forschungsdiskussion einzubringen. Die Forschergruppe besteht aus den Mitgliedern des Trier-Tübinger Forschungsverbundes sowie weiteren Forschern und Forschungsprojekten, die mit dem Forschungsverbund fest assoziiert sind.

Die zweite DFG-Leibniz-Forschergruppe „Vergleichende Zeitgeschichte der modernen Geschichtswissenschaften“ wird sich mit dem Wandel der strukturellen Rahmenbedingungen und den intellektuellen Trends geschichtswissenschaftlicher Praxis seit den 1960er Jahren in globalgeschichtlicher Perspektive beschäftigen. Die international ausgerichtete Forschergruppe wird folgende Themen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen: die Expansion der Bildungssysteme und die Auswirkungen auf die Geschichtswissenschaften, weltweite Demokratisierungsprozesse und ihre Effekte für die Geschichtsforschung, intellektuelle Antworten der Geschichtswissenschaft auf Globalisierung und Postkolonialismus.

Kernprojekte „Nach dem Boom“

In den Kernprojekten der DFG-Leibniz-Forschergruppe „Nach dem Boom“ wird die Entwicklung seit den 1970er Jahren beleuchtet. Fernando Esposito (Tübingen) betrachtet das Phänomen Punk als Symptom der sich wandelnden politischen Ordnungskategorien, modernen Temporalstrukturen und des Konsums. Christian Marx (Trier) analysiert anhand ausgewählter Großunternehmen der Chemieindustrie den Prozess der beschleunigten Multinationalisierung und die damit verbundenen Umstrukturierungen westeuropäischer Industrieunternehmen. Marc Bonaldo Fuolega  (Trier) beschäftigt sich mit der Entwicklung mittelständischer Wirtschaftsregionen in Europa am Beispiel der Industrieregion Stuttgart. In einem sozialgeschichtlichen Kontext beleuchtet Raphael Dorn (Trier) Prozesse und Folgen räumlicher Mobilität in der BRD zwischen 1980 und 2010, und Arndt Neumann (Trier) erforscht den Wandel der Arbeitswelt und des städtischen Raums am Beispiel der Hafenstadt Hamburg. Tobias Dietrich (Trier) untersucht den Aufstieg der Laufbewegung in der Bundesrepublik „nach dem Boom“, Maria Dörnemann geht den Zusammenhängen von internationaler Bevölkerungspolitik und Modernisierungstheorie am Beispiel Kenias nach und Lutz Raphael vergleicht drei Wege zum Verschwinden der Industriearbeit(er) in Westeuropa nach dem Boom.

Weitere Forschungsprojekte sollen bis 2018 das Gesamtprogramm des Projekts zum Abschluss bringen.

Abgeschlossene Kernprojekte „Nach dem Boom“

In seinem Projekt nahm Tobias Gerstung (Tübingen) die Transformation der schwerindustriellen, schottischen Hafenstadt Glasgow in den Blick sowie die stadtplanerischen Entwürfe ihrer postindustriellen Zukunft. Martin Kindtner (Tübingen) analysierte in seinem Projekt die Wissenskritik der französischen Poststrukturalisten Foucault, Deleuze und Guattari als Ergebnis einer Metamorphose der Linken und der von ihr ausgehenden Gesellschaftskritik. Anhand des Fallbeispiels der Universität Trier stellte Sarah Kröper in ihrem Projekt dar, wie es zur Entstehung von Campusuniversitäten kam und welche Auswirkungen diese auf  Stadt und Region in wirtschaftlicher, kultureller und städtebaulicher Hinsicht hatte.

 

Assoziierte Projekte „Nach dem Boom“

Neben den Kernprojekten untersuchen weitere fünf assoziierte Projekte den Zeitraum „Nach dem Boom“. Wiebke Wiede (Trier) nimmt eine vergleichende Analyse der Arbeitslosigkeit in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland vor. Christine Bald (Trier) untersucht die Zusammenhänge zwischen Neuer Frauenbewegung und Wertewandel in der katholischen Provinz in den 1970er bis 1990er Jahren. Niklas Alt analysiert Verwaltung und Problematisierung von Arbeitsmigration am Beispiel Münchens und Stuttgarts in den 1960er und 70er Jahren und Timo Kupitz erforscht die Veränderungen in den Beziehungen zwischen Labour Party und Arbeiterklasse in den 80er und 90er Jahren. Marc Meyer untersucht, wie sich die politische Mobilisierungsarbeit der SPD in Kassel und Frankfurt am Main in den 1980er und 1990er Jahren im Kontext einer wachsenden sozialen Ungleichheit und sich verändernder Formen der politischen Partizipation veränderte.